DIE DOHNAL

Sabine Derflinger, AT, 2019
105 min., dt. OV
Der neue Dokumentarfilm von Sabine Derflinger ist mehr als ein Porträt von Johanna Dohnal (1939-2010), einer Ikone der österreichischen Frauenbewegung. Sie ist berührendes Dokument und aktuelle Standortbestimmung, nicht nur einstige Weggefährtinnen kommen zu Wort, sondern auch heutige Aktivistinnen. Beginnend mit Johanna Dohnals vorzeitiger Ablösung als Frauenministerin im Frühjahr 1995 schreitet der Film einige Meilensteine in der Frauenpolitik ab, die sie (mit-)gesetzt hat: von der Fristenlösung über ein modernisiertes Familienrecht bis zur Einrichtung der ersten Frauenhäuser. Nicht zuletzt ist „Die Dohnal“ auch ein Stück praktischer Medienarchäologie. Immer wieder ist man verblüfft, wie viel im Fernsehen früher gepofelt wurde – Dohnal rauchte Dames –, und hingerissen, wie klug und einnehmend sie sich als SPÖ-Politikerin in Szene zu setzen wusste. (Michael Omasta)

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Die Geschichte und die Geschichten von Frauen wurden über Jahrhunderte unterdrückt, nicht erzählt, vergessen. Die Dohnal setzt einer Ikone der österreichischen Politik und Frauenbewegung ein Denkmal und schafft damit eine Identifikationsfigur für heutige und nachfolgende Generationen. Johanna Dohnal war seit 1956 in der SPÖ aktiv, ab 1969 Bezirksrätin, ab 1972 in der Parteizentrale, ab 1979 Staatssekretärin für Frauenfragen und von 1990 bis 94 Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und damit die erste Feministin in einer europäischen Regierung. In all diesen Funktionen hat sie weitreichende Erfolge für die Rechte der Frauen erzielt: von der strafrechtlichen Verfolgung der Vergewaltigung in der Ehe und der Gründung des ersten Frauenhauses bis zur Anrechnung von Kinderzeiten in der Pensionsreform.

Neben all diesen Errungenschaften war Johanna Dohnal vor allem aber auch eine Politikerin mit Haltung und Herz. Sabine Derflingers Film zeigt Dohnals Kämpfe, ihre Siege, aber auch ihr Scheitern und bringt sie uns dabei auf eine sehr zugängliche und nachempfindbare Weise nahe. Die Dohnal ist ein Dokument gegen das Vergessen und ein Plädoyer für eine gleichberechtigte Zukunft.