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Dildo Anus Macht: QUEER DIS/LOCATIONS

ein Kurzfilmprogramm kuratiert von TIM STÜTTGEN

 

im Rahmen der Konferenz Dildo Anus Macht: Queere Abstraktion

 

Das Programm versammelt queere und postpornographische Positionen, die die Zentralität der Kategorie Sexualität in ein faszinierendes Spannungsfeld mit anderen politischen Konstellationen verbinden wie konterkarieren soll. Tim Stüttgen begleitet durch das Programm.

 

In J (Arantxa Martinez, 2007, 4 Min) verbindet die zeitgenössische Tänzerin Arantxa Martinez ironisch die Kunst des Striptease mit einem Ethnicity-Drag ihres Heimatlandes Spanien, bevor die Dokumentarfilmemacherin Lucy Sombra alias Lucía Egaña in MI SEXUALIDAD ES UNA CREACIÓN ARTISTICA (Lucy Sombra, 2011, 46 Min) einen Überblick über die reale spanische Postporno-Szene gibt, als sie deren Protagonist_innen ausführlich zu Wort kommen lässt. 


Bei THE ADVENTURES OF HANS AND DEL (Hans Scheirl, Del La Grace Volcano, 1996, 12 Min) entführen uns die Transgender-Subjekte Del La Grace Volcano und Hans Scheirl in den Wald, um mit schwulen Boys queere Lüste zu erforschen, fernab vom sonstigem angeblichen Zentrum queeren Lebens, der Metropole. Auch Evelyn Rüsseler entführt uns in den Wald und lässt uns beim lesbisch-queeren Tier-Werden ihres einsam masturbierenden Bären-Charakters teilhaben - HERE IS MY HONEY (Evi Rüsseler, 2010/2012, 16 Min).
 

Ist Postporno sonst eher ein Glücksversprechen für Sex ohne Drama und Psychologie, beschäftigt sich ARRÊT LA MACHINE! POSTPONE POSTPORN HAPPINES (Ulrike Feser/Nicolas Siepen/Tim Stüttgen, 2011, 37 Min) gerade mit den Ambivalenzen zwischen Affirmation und Scheitern und queert dabei die melodramatischen Kunstkinowelten von Romy Schneider und Alain Delon, Jean-Luc Godard und Francois Truffaut. 


Paris war aber nicht nur das Zentrum der cineastischen Hochkultur, sondern auch der kolonialistischen Unterhaltung. In CONTAGIOUS! (Pauline Boudry, Renate Lorenz , 2010, 12 Min) trifft Arantxa Martinez in einem epileptischem Tanz, mit dem ausgestellte, „kranke“ Weiblichkeit zur burgeoisen Unterhaltung wurde, auf die afroamerikanische Drag Queen Vaginal Davis, deren Sklav_innen-Tanz „Cakewalk“ eine ähnliche Funktion fürs weiße Bürgertum hatte, auf einen queeren, modernen Zuschauerraum, der die historische Einlassung der stark kolonial kontaminierten Aufführungen temporal infrage stellt.


Die Vergangenheit der Sklaverei wird hingegen von Ann Liv Young in einem Auszug aus THE BAGWELL IN ME (Ann Liv Young, 2009, 5 Min) noch einmal direkter verhandelt. Die Rolle von George und seiner Frau Martha Washington einnehmend, bringt sie auf sexuell eindeutige wie humoristische Art die Affäre des Präsidenten der USA mit seiner Haussklavin durch einen modernen Hip Hop-Song zum Kochen.

 

 

DILDO ANUS MACHT: QUEERE ABSTRAKTION

 

Das Projekt Dildo Anus Macht: Queere Abstraktion wurde als mehrteiliges, künstlerisch-wissenschaftliches Projekt von Hans Scheirl initiiert und konzipiert: es besteht aus der dreitägigen Konferenz an der Akademie der bildenden Künste Wien, einem Performanceprogramm im brut Theater im Künstlerhaus und einem Filmprogramm im Top Kino Wien, sowie der von Christiane Erharter und Dietmar Schwärzler kuratierten Ausstellung Rosa Arbeit auf goldener Straße im xhibit der Akademie der bildenden Künste Wien.

 

Die Wichtigkeit, Geschlechterverhältnisse und -differenzen vor dem Hintergrund materieller und künstlerischer Notwendigkeiten öffentlich zu diskutieren ist besonders heute dringend notwendig: die Diskussion um einen queeren Arbeits- und Lebensalltag ist angesichts von Fragestellungen um post-koloniale Zusammenhänge, Issues of Colour, post-pornografischen Bild- und Sexpolitiken vor allem deshalb virulent, weil viele dieser Diskurse ihren Weg in den Mainstream gefunden haben, dabei jedoch entschärft wurden. In zeitgenössischer Kunst und Kultur ist Queerness ein wesentlicher, grundlegender Ausgangspunkt geworden,der gesellschaftlich relevante Veränderungen impliziert. Auch an der Akademie der bildenden Künste Wien hat in den letzten Jahren verstärkt ein Queering in Lehre und studentischem Arbeiten, bildnerischer Produktion und wissenschaftlicher Recherche stattgefunden. Diesen Umstand nimmt die Konferenz zum Anlass um inner- und außerakademische Tendenzen zu diskutieren, notwendige gesellschaftliche Veränderungen zu fordern und Entwicklungen in wirtschaftlichen und biopolitischen Zusammenhängen zu prognostizieren. Ziel der dreitägigen Konferenz ist es, sich im Rahmen von unterschiedlichsten Kommunikations- und Diskussionsformaten wie Vorträgen und Workshops sowie Kurator_innen-Gesprächen, Künstler_innen- Rundgängen und Performances konstruktiv mit Queerness als Arbeits- und Lebensalltag auseinander zu setzen.

 

 

Filmprogramm am 23.11. im Top Kino

 

20:00 Uhr  DANDY DUST

22:00 Uhr  QUEER DIS/LOCATIONS - ein Kurzfilmprogramm kuratiert von Tim Stüttgen

 

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