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DAS WEISSE BAND
Michael Haneke, D/A/F/I 2009, dt. OV, HD, 145 min.
DREHBUCH
Michael Haneke KAMERA
Christian Berger SCHNITT
Monika Willi PRODUKTION
X-Filme Creative Pool, WEGA-Film, Les films du Losange, Lucky Red MIT
Burghardt Klaußner, Ulrich Tukur, Josef Bierbichler, Susanne Lothar, Rainer Bock, Leonie Benesch, Christian Friedel, u. a.
Ein Dorf im protestantischen Norden Deutschlands. 1913/14. Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte des vom Dorflehrer geleiteten Schul- und Kirchenchors. Seine kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien: Gutsherr, Pfarrer, Gutsverwalter, Hebamme, Arzt, Bauern - ein Querschnitt eben. Seltsame Unfälle passieren und nehmen nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen an. Wer steckt dahinter?
"In DAS WEISSE BAND, seiner Nahaufnahme einer in ihren Ordnungssystemen erstarrten Gesellschaft, spürt Michael Haneke jenem untergründigen Sadismus nach, der die Machtverhältnisse im Ort sichert, macht in der Dorfgemeinschaft die systematische Brutalität gegen die jeweils Schwächeren aus - Frauen und Kinder werden familiär missbraucht, die `Gesundheit` setzt sich gegen die Behinderung durch, `Reinigung` wird durch Züchtigung vollzogen, es herrschen Demütigung, Drohung, Denunziation. Nicht nur der Erste Weltkrieg, auch der Faschismus ist hier nicht mehr fern. Hanekes visueller Rigorismus passt perfekt zu den Erzählungen von Reglementierung und Repression. Er durchleuchtet sein Sujet gründlich, blickt in Schule, Kirche und Wohnhäuser, auf Ober-, Mittel und Unterschicht, auf Bauern, Adelige und Fremdarbeiter: ein soziales Panorama ohne Farbe und äußeren Exzess. Haneke ist, geschult an den Filmen Carl Dreyers, Robert Bressons und Jean-Marie Straubs & Danièle Huillets, ein Asket des Kinos, der in der Selbstbeschränkung auf das äußerst Nötige eine ganz eigene Sinnlichkeit findet. Die bewusst trockene, `objektive` Präsentation der Ereignisse fordert zu genauem Hinsehen und Hinhören auf: Immer wieder öffnet Haneke in Bildern von großer, geradezu surrealer Klarheit (Kamera: Christian Berger) den Blick aus den dunklen Innenräumen auf die weiten Landschaften Norddeutschlands, auf glitzernde Schneefelder und blühende Sommerwiesen. Damit kehrt Haneke, ähnlich wie einst auch Ingmar Bergman, nach kühnen Erzähl- und Wahrnehmungsexperimenten wie `Caché` (2005) zum - ästhetisch raffiniert gebrochenen - Traditionsformat des literarisierenden Historienepos zurück. Inkonsequent ist das nicht: Die letzte Subversion des radikalen Modernisten liegt in der Kultivierung des Klassischen." (Stefan Grissemann, Profil)
Goldene Palme
- Cannes 2009
Europäischer Filmpreis 2009
- Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch
Golden Globe 2010
- Bester nicht-englischsprachiger Film
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