zement
 
ZEMENT / EIN PROZESS. / O QUE RESTA

Bettina Nürnberg und Dirk Peuker

im Gespräch mit Maya McKechneay

ZEMENT

Bettina Nürnberg, Dirk Peuker - AT 2014, 13 min, dt.OV (mit engl.UT)

 

In Ebensee wurde von den Nationalsozialisten ein Konzentrationslager errichtet. Nürnberg und Peuker fragen sich, welche Rückschlüsse die Topographie auf den Umgang mit Vergangenheit erlaubt. Die Aufnahmen bleiben statisch, nur eine Frauenstimme steuert aus dem Off im nüchternen Tonfall Informationen bei, welche den zeitgeschichtlichen Kontext verdeutlichen. So entpuppt sich ein Ort, der wie ein Waldweg aussieht, als „Löwengang“, auf welchem die KZ-Gefangenen gleich Tieren zu einem auszuhebenden Stollen getrieben wurden. Verwunderung über Mangel an Sensibilität im Umgang mit der Vergangenheit mischt sich in den Off-Kommentar, sobald der Film zur Siedlung wechselt, die an der Stelle des Konzentrationslagers bereits kurz nach Kriegsende begründet wurde. (Dominik Kamalzadeh)

 

 

EIN PROZESS. DAS PROTOKOLL.

Fiona Rukschcio - AT 2015, 10 min, dt.OV (mit engl.UT)

 

In EIN PROZESS. DAS PROTOKOLL. wird der Ablauf eines als vermeintlich locker geplanten Abends unter Bekannten nacherzählt, der mit einer Vergewaltigung endete. Abwechselnd reiht Fiona Rukschcio fragmentarische Aussagen der jungen Frau und des Angeklagten aneinander, die nüchtern von Stimmen aus dem Off verlesen werden und die Geschehnisse jener Nacht Stück für Stück rekonstruieren. Die protokollierten Schilderungen klaffen dabei immer weiter auseinander, die Formulierungen des Angeklagten wirken wie einstudiert - und nicht zuletzt über dessen Ungerührtheit transportiert sich auch die emotionale Distanziertheit, die einem juristischen Prozedere innewohnt. (Jana Koch)

 

 

O QUE RESTA - WAS BLEIBT

Jola Wieczorek - AT 2015, 39 min, OmeU

 

O QUE RESTA besteht aus drei Akten: Im ersten bleibt das Bild zunächst schwarz, während eine Stimme Briefe liest. Ein Sohn schreibt aus dem Feld an die Mutter, voll Furcht, nicht mehr heimzukehren. Die Kamera schwebt, während weitere Briefe folgen, über die polierten Böden einer Lissabonner Altbauwohnung. Die Bewegung ist nach hinten gerichtet, ein Zurückweichen, vielleicht ein Abschiednehmen von diesen, mit all den Kupferstichen und Fotografien ganz erinnerungsschweren Wänden. Im zweiten Akt bereitet sich eine alte Dame auf Besuch vor. Ihre Hangriffe sind routiniert, tausendmal gemacht und müde: Kaffeekessel aufstellen, den Bettbezug gerade streichen. Was wären Bezug und Kessel ohne ihre Hand? Im dritten Akt ist die Zukunft des zweiten Gewissheit: Die Möbelpacker kommen, und hinter fortgerückten Schränken bleiben Flecken an der Wand. Ein junger Bursche schreibt aus England. Die erste Auslandsreise, er ist aufgeregt. Die Mädchen tragen kurze Badeanzüge. (Maya McKechneay)

 

 

4x2-folder_186wh
zurück